Ein Ort der Kontraste ist die malerische Verwaltungshauptstadt Lublin (350.000 Einwohner) an der Weichsel in der gleichnamigen Woiwodschaft.
Teils regionaler Nabel der ostpolnischen Wirtschaft, Wissenschaft und
Kultur, Stätte zweier Hochschulen (v.a. Katholische Universität),
Domizil junger, enthusiastischer Bewohner, reflektiert Lublin andererseits
eine befleckte Geschichte.
An die jüdische Bevölkerungsgruppe von ehemals dreißig
Prozent, an das jüdische Viertel Schtetl erinnert lediglich das Mahnmal
auf dem Platz Ofiar Getta. Damals markierte das Grodzka-Tor, wo katholisches
Stadtgebiet endete und jüdisches begann. Das dortige Gedächtniszentrum
sowie die jüdische Straße Kowalska, eine Synagoge (dereinst
38), der älteste jüdische Friedhof Polens "Stary Kirkut"
und der rekonstruierte Neue jüdische Friedhof manifestieren das jüdische
Vermächtnis.
Auf dem Gelände des Konzentrationslagers im Lubliner Vorort Majdanek
gedenken ein Martyriumsmuseum und ein Mausoleum unter symbolischer Schirmherrschaft
einer ökumenischen Kapelle der konkreten jüdischen Tragödie.
Jenen kulturellen Einfluss ehrend und gegen die Kriegsgewalt rebellierend, wurde die lädierte, von Wehrmauern umgürtete Altstadt flugs restauriert. Man möchte glauben, die Stadt erneuere sich und verschönere sich wie von Geisterhand. Durchaus mediterranes Flair, beseelt von optimistischen Menschen poliert die sonnendurchfluteten Lubliner Gässchen und Straßencafés. Leseratten mögen Lublin in den Erzählungen des Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer erkennen.
Das lebhafteste Pflaster der Stadt bleibt ungetrübt der Rynek mit
seiner angesiedelten Gastronomie und seinen imponierenden Bürgerhäusern
(15./16. Jh.), während Restaurants und Bars außerdem in die
Grodzka-Straße verleiten. In derselbigen befindet sich das außergewöhnliche
Apothekenmuseum mit authentischer Inventar. Das klassizistische
Rathaus, ursprünglich aus dem gotisch geprägten 14. Jahrhundert,
dessen Bogenpforte und Säulenfassade besonderen Eindruck erregen,
residiert wenige Schritte östlich des Markplatzes, der Bernhardinerkirche
(15. Jh.) und der Kathedrale (16. Jh.).
Noch beeindruckender auf einer Anhöhe erscheinen Bischofspalast
und Rundturm, deren gotische Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit
mit ihrer byzantinischen Wandmalerei (13./14. Jh.) UNESCO-Schutz genießt.
Von überdeckendem Putz im späten 19. Jahrhundert befreit, gelten
diese Fresken in Polen als Unikate.
Das hiesige Schlossmuseum ermöglicht Besuchern darum erstaunliche
Einsichten in die polnische Archäologie, Malerei und traditionellen
Kunstformen, indes eine weitere Ausstellung im Turm über die Lubliner
Stadtgeschichte informiert. Die im Jahre 1341 errichtete Befestigungsanlage
samt Krakauer Tor fungiert heute als Gefängnis.
Und derweil ein Auge Lublins bedächtig seiner Vergangenheit nachblickt,
so schaut das zweite hoffnungsvoll in die Zukunft. Lublin setzt auf den
Tourismus, zeichnet sich die Stadt neben diversen Sehenswürdigkeiten,
einladender Gastronomie und Vergnügungseinrichtungen (Kinos, Theater,
Diskotheken u.v.m.) schließlich auch durch komfortable Unterkünfte
aus, von niedlichen Pensionen bis zum luxuriösen Grand-Hotel.
Das historische Lubliner Dorfmuseum, eine Straußenfarm in Leonow
sowie die interessanten Ortschaften Zamosc,
Kazimierz Dolny und Pulawy
liegen in der Umgebung.
